Vielleicht sollte ich meine bisweilen zwischen Tristesste und gehobener Melancholie springende leiblich wie gesitig höchst durschnittliche Existenz gar nicht zum Dreh- und Angelpunkt dieses Elaborats machen.
Orlow, das wär so einer, mit dem könnte man halt noch was anfangen, so als Leser. Einer mit Geschichte. Einer, dessen Gesicht mehr als gezeichnet ist vom Leben. Vom Leben da draußen. Jede seiner Furche erzählt von der Straße, versifften Güterwaggons.
Orlow ist ja generell eher unbekannt. "Mein Name ist Orlow". Eine Wolke aus Nikotin und billigem Schnaps machte sich im Zugabteil breit. Ich hob meinen Kopf kurz und signalisierte dadurch zwar sehr geringes, aber immerhin Interesse. "Wofür der Name steht?", las er mir jene Frage aus den Augen ab, die dort eigentlich gar nicht zu lesen stand. "O.R.L.O.W", wiederholte er stolz. "Organisierte Revolution Liebe oder Wahnsinn", so die Aufschlüsselung. "Einfach Orlow", hauchte er abschließend hinterher.
Nun kann man sich ja vorstellen, dass man nicht einfach so auf diese Buchstabenkombination kommt. Orlow heißt mit bürgerlichem Namen nämlich Orlowski. Klingelt's? Oder lassen Sie es gar hie und da klingeln? Orlow war nach eigenen Angaben der leibliche Bruder von Porn-Biz-Queen Teresa Orlowski. "Manchmal steckt sie mir Geld zu."
Orlow war mal Manager. Jetzt aber war er Berber und auf dem Weg nach Rumänien, um dort ein bestimmtes Schlafmittel zu kaufen, das in Deutschland verboten ist. Ein Freund leidet nämlich an Krebs und will sich endlich umbringen. Hat er mittlerweile wahrscheinlich schon. "Ich bin kein Penner. Ich bin Berber!"
"Du willst Kohle machen? Dreh doch einfach Videos bei meiner Schwester. Dauernd Sex und dafür auch noch bezahlt werden!" Bis heute bin ich dem Ratschlag nicht gefolgt.
Wir rauchten. Ich zumindest. Orlow kam nach jedem Zug die halbe Lunge raus. Da er aber sicherlich mehr als zwei Züge nahm, gerät die Metapher ordentlich ins Wanken.
Wir sprachen zwischen München und Salzburg viel. Sehr viel. Abschließend bekam ich ein wunderbares Kompliment: "Du bist der einzige Mensch in diesem Zug, der lebt." Ausgenommen wohl nur jene ältere Dame, die Orlow seit Berlin immer wieder Geld für Schnaps gab. Ich verließ den Zug und fuhr weiter nach Graz, um ein sinnloses Studium zu beginnen. Orlow, der Todesherold mit langem Haar, setzte seine Reise nach Rumänien fort.
19 Februar 2008
Organisierte Revolution, Liebe oder Wahnsinn
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grr
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11:29 AM
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Tags: Deutschland, East Europe, gedanken, Graz, porn, travelling
02 Jänner 2008
One day in Berlin
Verspätung ist das halbe Blogging-Leben. Aus diesem Grunde erst jetzt ein delay-hafter Bericht meines kürzesten Berlin-Aufenthalts in der jüngeren Geschichte im Rahmen des Steampunkpuppenwerkes All tomorrow's Condensations:
Samstag, 29.12.
08.05 Uhr: Abflug Wien Schwechat
09.25 Uhr: Ankunft Berlin Tegel
10.00 Uhr: Ankunft beim 24C3 im Berliner Kongress Center am ewig hässlichen und von mir geliebten Alex.
10.30 Uhr bis 11.00 Uhr: Aufbau der Puppenbühne, Lichtprobe
11.00 Uhr bis 12.00 Uhr: Warten auf irgendeinen Typen, der mir den uns zugesagten Raum aufsperren kann
12:00 Uhr: Irgendein Typ kommt tatsächlich und erklärt mir, unsere letzte Taugshow in der cbase sei "lahm" gewesen. (Kein Wunder, bei der Technik, aber wurscht jetzt)
12:00 Uhr bis 12:30 Uhr: Mittagessen (Burger, Pommes, Club Mate)
12:30 Uhr bis 18.30 Uhr: Letzte Arbeiten an Bühne und Puppen, Fertigstellung der Tonspur (Danke Günther, für die immense Geduld und bisweilen Dreckshackn)
18.30 Uhr bis 20.00 Uhr: Einzige und letzte Probe
20.00 Uhr bis 20.30 Uhr: Einzige und letzte Pause
20.30 Uhr bis 21.20 Uhr: Auftritt
21.20 Uhr bis 21.30 Uhr: Genuss der Ovationen (Gott, wie Arsch klingt das denn...)
by pt21:30 Uhr bis 22:00 Uhr: Planung des weiteren Abends (es waren viele Menschen und darunter auch noch der eine oder andere Veganer)
22:00 bis 00:00 Uhr: Essen
Sonntag, 30. Dezember:
00:00 Uhr bis 00:30 Uhr: Fahrt ins Hotel
00:30 Uhr bis 04:00 Uhr: ein bisschen Schlaf
04:00 Uhr bis 04:30 Uhr: Kampf mit dem eigenen Körper
04:30 Uhr bis 05:00 Uhr: Fahrt nach Berlin Tegel
05:00 Uhr bis 05:30 Uhr: Sechs frisch gepresste Fruchtsäfte getrunken
05:30 Uhr bis 06:15 Uhr: Komawarten am Gate
06:20 Uhr bis 07:25 Uhr: Flug nach Wien Schwechat
Video gibt's hoffentlich bald. Lieber CCC, es war mal wieder ein ordentlicher Spaß mit euch!
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grr
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4:46 PM
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Tags: Deutschland, monochrom, performance
31 Oktober 2007
Courage ist unser Credo
Die NPD-Landtagsfraktion in Sachsen bekam zum Wochenende einen Brief mit folgendem Wortlaut:
NPD Fraktion im Sächsischen Landtag
Herren H. Apfel und A. Delle
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden
Dresden, 18. Oktober 2007
hre Zimmerreservierung im Holiday Inn Dresden
Sehr geehrter Herr Apfel,
sehr geehrter Herr Delle,
wir erhielten heute Ihre über www.hotel.de getätigte Reservierung für den 7. November 2007 und sind einigermassen erstaunt, dass Sie ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit ausländisch klingendem Namen bevorzugen.
Da Sie in unserem Hause nicht willkommen sind und ich es auch meinen Mitarbeitern nicht zumuten kann, Sie zu begrüssen und zu bedienen, haben wir hotel.de gebeten, die Buchung zu stornieren.
Sollte dies aus vertraglichen Gründen nicht möglich sein, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich sämtliche in unserem Hause durch Sie getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdner Synagoge weiterleiten werde. Betrachten Sie dies als kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung für die Schäden, die Ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren früheren Besuchern zugefügt haben.
Eine Kopie dieses Schreibens leiten wir an die Dresdner Presse weiter.
In der Hoffung, daß Sie eine zu Ihnen passende Unterkunft finden und uns Ihr Besuch erspart bleibt verbleiben wir
mit freundlichen Grüssen
MACRANDER HOTELS GmbH & Co. KG
Johannes H. Lohmeyer
Geschäftsführer
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grr
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4:01 PM
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Tags: Deutschland, Hotelerie, zeitgeschichte

